Gemeinsam mit den Projektstandorten Halle und Stendal fand eine Exkursion zur Gedenkstätte für die Opfer der NS-„Euthanasie“ in Bernburg statt.

Beim gemeinsamen Mittagessen am Bahnhof mit leckeren Döner-Gerichten kam es zu einem ersten Austausch über Vorwissen und Erfahrungen mit Gedenkstätten sowie Konzentrationslagern. Dabei zeigte sich, dass das Vorwissen sehr unterschiedlich war und oft auf Erfahrungen aus der DDR-Zeit zurückging. Besonders berührend war, dass sogar Familienangehörige einiger Teilnehmender in Bernburg ermordet worden waren.

Anschließend teilte sich die Gruppe auf: Ein Teil ließ sich von unserem Local-Guide Gabriel auf einer Rundtour durch die Stadt zur Gedenkstätte führen, während ein anderer Teil bequem den Bus zum Landeskrankenhaus nahm.

Vor Ort gab es zunächst eine sehr eindrückliche und klare Einführung mittels einer Präsentation, gefolgt von einer Führung durch die historischen Räumlichkeiten. Im Mittelpunkt standen die Geschichte des Ortes sowie die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen. Viele waren erschüttert über die Nähe zum noch heute betriebenen Krankenhaus, die späte Aufarbeitung und das Buch mit den Namen aller Opfer. Anhand von Einzelschicksalen wurde das ganze Ausmaß des Unrechts deutlich – ein Unrecht, das psychisch kranke Menschen sowie Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen traf. Selbst Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gedient hatten, wurden im Keller der Euthanasie-Anstalt vergast.

Ausgehend von diesen historischen Ereignissen wurden Fragen zur Menschenwürde, Ausgrenzung und Erinnerungskultur diskutiert – sowie die besorgniserregende Frage, ob sich solche Verbrechen in der heutigen Gesellschaft wiederholen könnten.

Nach dem Besuch gingen wir auf Anregung einer Teilnehmerin alle zusammen ein Eis essen, um die schrecklichen Erlebnisse besser verarbeiten zu können.

Die Exkursion bot somit Raum für historisch-politische Bildung, gemeinsames Erinnern und erweiterte die Ortskenntnis sowie das Interesse an einer Vertiefung des Erlebten und weiterer Ausflüge.